Nuevelae - Novelle - Nuvelle - Nuville - Nuefel - Nöwell - nuve vile - Nuovele - Newel

In der Verbandsgemeinde Trier-Land wurde am 03. Oktober 1973 aus den 4 Dörfern Beßlich, Butzweiler, Lorich und Newel auf Beschluß der Gemeinderäte die Mehrortsgemeinde Newel gebildet. Newel nimmt einen von den Verwerfungslinien gekennzeichneten Bereich des südlichen Gutlandes im Bitburger Gutland ein. In von Südwest nach Nordost gerichtetem Streifen wechseln Schichten des oberen und mittleren Muschelkalkes und des unteren Keupers. Die alte Ortslage liegt in einer Einmuldung der Hochfläche am Neweler Bach. Das Dorf "Newel" wird urkundlich gesichert im Jahre 981 als Nuevelae überliefert. Seit dem 11. Jahrhundert ist die Schreibweise weitgehend festgelegt und variiert zwischen No- und Nuvelle bzw. -ville. Im 16. Jahrhundert überwiegen mundartliche Übertragungen wie Nuefel und Nöwell. Eingedenk der römischen Siedlungstradition wird der Ortsname mit nova Villa bzw. dem moselrömischen nuve vile als Bezeichnung für neues Dorf überliefert.

Vorrömisch - Römische Zeit

Vorrömische Siedlungsspuren sind steinzeitliche Beilfunde in dem an der Römerstraße Trier-Köln (B 51) gelegenen, südwestlichen Gemarkungsbereich, sowie der Anteil an einem ausgedehnten Hügelgräberfeld, das diese Straße in der nordwestlichen Gemarkungsspitze durchschneidet.
Newel liegt am Westrand des römischen Langmauerbezirkes, dessen Mauerzug mit der Gemarkungsgrenze im Westen zusammentrifft.

In der Gemarkung wurden sechs römische Siedlungsstellen gefunden, und zwar eine großräumige Anlage im "Keisel" sowie römerzeitliche Bauernhöfe in der Gemarkung im "Mühlenflur", unter dem "Liewiger Berg", auf "Ruweis", in der "Butterwies" und "obig der Hagenwies", von denen die östliche in den Fluren "Im Kessel" und "Könscherwies" 1962 freigelegt wurde.

Das Zentrum des rechteckigen Gutshofes mit einer Länge von 70 zu 140 m bildete achsensymmetrisch eine Risalitvilla mit Portikus. In der Nähe befand sich an einer römischen Nebenstraße (heute L 42) ein Gräberbezirk mit gallorömischen Umgangstempel.

Der sich in seltener Vollständigkeit präsentierende Gutsbetrieb wurde vom Ende des 1. bzw. vom 2. Jahrhundert bis Ende des 4. Jahrhunderts genutzt und war mit dem Bau der Langmauer im Bezirk einbezogen.

Fränkische Zeit

Newel selbst scheint durch eine Neubesiedlung in fränkischer Zeit gegründet worden zu sein. Hierauf deuten zwei ortsnahe Friedhöfe am nördlichen und östlichen Ortsrand, jeweils an römischen Nebenstraßen.
Der nördliche Friedhof (Flur Altkirch) wurde Standort der jetzigen Filialkirche St. Klemens und des Friedhofes.

1966 wurde ein ausgedehnter, seit dem frühen 6. Jahrhundert belegter fränkischer Friedhof südöstlich von Newel entdeckt und untersucht.

Newel wurde als Königsgut nach einer glaubhaften Trierer Tradition zusammen unter anderem mit Welschbillig, Sülm und Möhn von König Dagobert dem Stift St. Paulin geschenkt.

981 wird unter Hinweis auf die Schenkung die nach Mitte des 10. Jahrhundert erfolgte Einziehung der Güter durch das Bistum überliefert, womit Bistumsvasallen ausgestattet wurden.

Relikt dieser Zugehörigkeit zu einem geschlossenen Besitz ist die Zugehörigkeit zum Pfarrbezirk Welschbillig und die Zuordnung zum späteren Amt Welschbillig. Von ihren entfremdeten Gütern scheint das Stift St. Paulin Newel zurückerhalten zu haben. 1288 hatte St. Paulin die Grundherrschaft über den Ort, der zum Amtsgut des Propstes gehörte. Die Hochgerichtsbarkeit setzte der Kurfürst für sich durch. 1380 ist ein Hof des Stiftes in Newel bezeugt, 1570 auch die Bannmühle.

Mit zehn Feuerstellen 1563 und neun Feuerstellen 1684 zählte Newel zu den typischen Dörfern des kurtrierischen Amtes Welschbillig. Die 1570 überlieferte Filialkirche hatte 1656 ein Marien-Patrozinium. Die außerhalb gelegene Kirche wurde 1806 mit einem Neubau am damaligen nordwestlichen Dorfrand aufgegeben. 1803 wurde Newel der Pfarrei Butzweiler als Filiale zugeordnet.

Der Neweler Frieden

Der Erzbischof von Trier, Theoderich II., war 1242 gestorben. Bei der Wahl des Nachfolgers kam es zu Tumulten, Scharmützeln, ja zu einem Krieg in der Stadt. Die Domherren stimmten für den Dompropst Arnold, einen Neffen des verstorbenen Erzbischofs, der trierische Adel für Rudolf von der Brücke, Probst zu St. Paulin. Als beide Parteien des Raubens und Plünderns müde waren, gingen sie nach Newel und schlossen Frieden. Arnold wurde Erzbischof und von Pabst Innocenz IV. 1243 bestätigt.

Dorfgrundriss

Der Dorfgrundriss zeigt eine auffallend unregelmäßige Verteilung und Ausrichtung der Quereinhäuser. In Teilbereichen fügen sie sich zu kurzen Traufzeilen mit quergestellten Abschlüssen an den Querstraßen zusammen. Der Anordnung der Höfe entsprechend ist das Straßen- und Gassensystem, das jeweils ringförmig Block-, Zeilen- und auch einzelne Hofstellen erschließt. Diese Struktur ist auch nach Abbrüchen und Neubauten erkennbar geblieben.

Charakteristisch ist das Nebeneinander von kleinen uns ausgesprochenen großen landwirtschaftlichen Betrieben, die sich im Wechsel bescheidener und stattlicher Quereinhäuser sowie Mehrseithöfen zeigen.

Das Alter der erhaltenen gebliebenen Anwesen lässt verschiedene Hauptbauphasen von um 1800, um 1840 und um 1900 erkennen.

Beachtlich sind die Anwesen Feldstraße 1 (Winkelhof, 1833) und 2 ( Dreiseithof, ab 1840) am östlichen Rand des Altdorfes. Entlang der mit den Landstraßen anbindenden Ortsstraßen (Römerstraße, Bitburger Straße, und Feldstraße) erweiterte sich der Ort seit Ende des 19. Jahrhunderts.

 

Typisch ist hier der Abschnitt zwischen Clemensstraße 2 und 7. Dem im Wohnteil 1893 datierten Quereinhaus Nr. 2 antworten auf der gegenüberliegenden Straßenzeile zwei Parallelzeilen aus einem Quereinhaus (abgebrochen) und einer mit der trennenden Hoffläche zurückgesetzten Traufzeile aus dem Streckhof Nr. 5 (1892) und dem Wohnhaus Nr. 7 (1909).

Profanbauten

Bitburger Straße 3

Streckhof. Kleine winkelförmige Hofanlage individueller Ausprägung mit alt gepflasterter Hoffläche. Am Wohnteil, einem dreiachsigen schiefereingedeckten Krüppelwalmdachbau, setzt zurückfluchtend die einer kleinen Landwirtschaft genügende Ökonomie als Satteldachbau an. Quer zum Wohnhaus riegelt ein Pultdachbau für den Kleintierstall und die Toilette den Hofraum ab. Der in Details (Fenster, Türblatt) veränderte, verputzte Bruchsteinbau von um 1800 gibt Hinweise auf die ortsgebundene historische Bauweise und überliefert eine vollständige kleine Hofeinheit samt dem Backofen.

Aacher Straße 2

Winkelhof. Stattliches, freistehendes Hofanwesen aus verschiedenen Bauteilen des späten 19. Jahrhunderts. Der 1893 bezeichnete fünfachsige Wohnteil und die vom Torbogen ebenfalls achsensymmetrisch ausgerichtete, 1884 bezeichnete Ökonomie bilden ein Quereinhaus, dessen Wirtschaftsteil mit einer Erweiterung und einem Querbau ausgebaut wurde. Diese weisen einen von Holzstützen getragenen weiten Dachüberstand auf. Den Wohnteil beeinträchtigen außen Erneuerungen (Dacheindeckung, Fenster). Erhalten ist das originale Türblatt, die Einteilung und der Takenschrank im Innern. Das Anwesen am südwestlichen alten Dorfrand ist Beispiel für den Dorfausbau mit sich hier ansammelnden großen Höfen des späten 19. Jahrhundert.

Kapellenstraße 2

Streckhof. Im alten Dorfkern gelegenes Anwesen aus vierachsigem Wohnteil unter neu schiefereingedecktem Satteldach, kleinem Ökonomiebau mit Krüppelwalmdach und winkelförmigem Stallgebäude mit überstehendem, abgeschlepptem Satteldach. Den in spätbarocker Stiltradition stehenden Wohnteil charakterisieren kleine Rechteckfenster mit segmentbogigem Sturz; am Schlussstein des profilierten Türrahmens die Bauinschrift N 1799 M. Am Scheitelstein des Torbogens die gleichen Erbauerinitialen und die Datierung 1 8 19. Das in Details unpassend erneuerte (Fenster, Türblatt) und rückwärtig durch einen Anbau erweiterte Anwesen überliefert eine vollständig erhaltene, hier noch stilverspätet spätbarock ausgebildete dorftypische Hofanlage. Hierzu gehört auch der Hausgarten und das Hofinventar, wie z.B. der Wassertrog aus Sandstein.

Römerstraße 5

Barockes Wohnhaus. Stattlicher, traufständiger Putzbau mit Sandsteingliederungen unter schiefereingedecktem Mansardenwalmdach. Die sechsachsige Front ist im gleichartigen Rhythmus in Doppelachsen aus Rechteckfenstern und Gauben gegliedert, wobei die nördliche Doppelachse anstelle einer Tordurchfahrt nachträglich umgenutzt wurde. Das Portal mit aufgekröpften Schmuckprofilierungen im Sturz und dem kopierten Türblatt; alte sprossengeteilte Fenster. Im Innern hat sich die Einteilung mit Teilen der Ausstattung (Rauchfang) neben Erneuerungen erhalten. Das an der Rückfront neben segmentbogigen Fenstereinfassungen auch ältere Fenster aufweisende Gebäude erhielt um die Mitte des 18. Jahrhundert seine heutige Form. Die Funktion als einstiges Hofhaus offenbart sich im Kontrast zu der kleinteiligen historischen Ortsbebauung und dem im Kreisgebiet auch für Hofhäuser seltenen Mansarddach.

Am leicht erhöht gelegenen nördlichen Ortsrand, inmitten des ummauerten kleinen, heute aufgelassenen Kirchhofs stehender kleiner Saalbau. Putzbau zu zwei Achsen kleiner segmentbogiger Fenster und dreiseitigem, sich im flachen Winkel dem Rechteck annäherndem Schluss. Die Giebelfront für den verschieferten vierkantigen Dachreiter mit Pyramidenhelm abgewalmt. Das Portal entsprechend der Fensterform leicht geschultert segmentbogig und mit Keilstein; hierin die Bauinschrift KAP. NEW. ANNO 1806 MDCCCVI. Seitlich ein steinernes Weihekreuz.

Im Inneren Voutendecke als verputzte Holzkonstruktion und weit in den Raum greifende Empore. In einer Nische der Chorwand Figurengruppe der hl. Familie in spätgotischer Art; an den Seitenwänden spätgotische Steinfiguren des hl. Johannes d. T. und des hl. Franziskus unter Anstrich. Das Gestühl neugotisch. Die Filialkirche steht stilistisch und im Typus in der barocken Tradition der schlichten Kapellenbauten im Trierer Land. Im Inneren haben sich Ausstattungsteile der außerhalb des Ortes stehenden Vorgängerkirche erhalten.

Teile der Kirchenumgebung ist der ummauerte alte Kirchhof. In der dachförmig schließenden Umgangsmauer eingefügt sind typische Grabkreuze des 19. Jahrhunderts und Schmuckplatten mit Flechtwerkornament. Im Kirchhof eingeschlossen ist auch das schlichte Kriegerdenkmal aus gelbem Sandstein.

Neuzeit

Laut der Amtsbeschreibung vom Ende des 18. Jahrhunderts bestand Newel damals aus 21 Häusern und hatte jeweils ein dem Kurfürsten, der Pfarrkirche Welschbillig und der Trierer Abtei St. Martin gehörendes Hofhaus. Der ehem. Pauliner Hof bestand anscheinend nicht mehr. Der Martiner Hof mit 34 ha Land wurde im Zuge der Säkularisation eingezogen und Armeelieferanten abgetreten, die ihn 1806 verkauften.

Der zur Mairie und späteren preußischen Bürgermeisterei Aach gehörende Ort zählte 1818 135 Einwohner. Die Einwohnerzahl des rein landwirtschaftlich geprägten Dorfes stieg zwischen 1843 und 1950 allmählich von 207 auf 326. Die intensive Neubautätigkeit hat den Ortsumfang seit den 1960er Jahren um ein Mehrfaches ausgedehnt und den Charakter des Altdorfes stark verändert. 1989 wohnten in Newel 729 Einwohner, im Jahre 2000 lebten im Dorf "Newel", das seit 1974 mit den umliegenden Dörfern Beßlich, Butzweiler und Lorich die Mehrortsgemeinde Newel gebildet hat, ca. 900 Bürgerinnen und Bürger. Aus Newel, einem einst rein landwirtschaftlich geprägten Dorf, ist ein Ort aus Pendlern zur nahegelegenen Stadt Trier geworden.

Aktuelles:

Klemensplatz

Im Jahre 2000 wurde im Kreuzungsbereich der Römerstraße, Aacher Straße und des Klemensplatzes der Dorfplatz im Mittelpunkt des Dorfes umgestaltet und verschönert. Am 10. September 2000 wurde der "neue" Klemensplatz im Rahmen der Kirmes in der Ortsmitte eingeweiht. Aus dem unscheinbaren Klemensplatz ist ein schmucker Dorfmittelpunkt geworden. Der Dorfplatz wird bestimmt dazu beitragen, dass sich das allgemeine dörfliche Geschehen wieder in dessen Nähe abspielt . Der neue Brunnen neben der Buswartehalle und die angelegten Grünflächen mit Bäumen laden schon heute zum Verweilen ein.

Gemeindehaus

Seit 1975 wird die ehemalige Schule von Newel als Gemeindehaus für kommunale und vereinsorientierte Veranstaltungen genutzt. Aufgrund der stetig ansteigenden Einwohnerzahlen und der damit verbundenen Belegungen des Gemeindehauses ist die Kapazitätsgrenze lange erreicht. Im Rahmen eines Investitionsprogammes ist es geplant, das Gemeindehaus umzubauen, um für die Bürgerinnen und Bürger eine wichtige Begegnungsstätte für das gesellschaftliche Leben im Dorf für die Zukunft zu schaffen.

Freiwillige Feuerwehr Newel

Im Jahre 1935 wurde auf Initiative des Landwirts Scheuern-Streit aus der bis dahin bestehenden Pflichtwehr der Löschzug Newel als Freiwillige Feuerwehr gegründet. Nach Kriegsende wurde die Wehr unter Wehrführer Matthias Kappes neu aufgestellt und nach dem Bau eines Spritzenhauses im Jahre 1948 mit einem umgebauten Postanhänger als Gerätewagen ausgerüstet. Ab dem Jahre 1976 wurde nach mehrmaligem Wehrführer-Wechsel die Ausstattung weiter verbessert ( TS 8/8 - UHW - TLF - sowie Gerätehausneubau). Nach der Zuweisung des UHW wurde die Wehr wegen ihrer zentralen Lage sowie der Einsatzstärke/-bereitschaft (Erstmalige Einführung einer Rufbereitschaft "Rund um die Uhr" einer Freiwilligen Feuerwehr) im Jahre 1978 zur Stützpunktwehr ernannt. Heute liegt nach erneuter technischer Aufrüstung mit Rüstwagen und Groß-Tanklöschfahrzeug der Schwerpunkt der Einsatzarbeit in der technischen Hilfeleitung.
Neben dem Aktiven Feuerwehr-Einsatzdienst versucht sich die Feuerwehr auch stärker als Teil der Dorfgemeinschaft im Vereinswesen und -zusammenschluss einzubringen. So wurde im Jahre 1995 der Förderverein Feuerwehr Newel gegründet, zum 01.01.2000 erfolgte die Gründung einer Jugendfeuerwehr. Anlässlich des nächsten Ehemaligentreffens im April ist eine stärkere Einbindung der "Ehemaligen" bzw. "Alterskameraden" geplant, so dass wir uns danach eine starke interaktive "Feuerwehrfamilie" vorstellen. Derzeit besteht die Feuerwehrfamilie aus 24 Mädchen und Jungen, 25 Aktiven Helfern und 123 Fördermitgliedern.

 

 

Um sich näher zu informieren, können Sie sich der nachfolgenden Literatur, Geschichtswerken und Informationsquellen bedienen:

Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz - Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 12.2, 1994, Bearb. v. E. Wegner - Wernsche Verlagsgesellschaft - Worms;
Zitate aus "Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz", Bd 12.2:Kreis Trier Saarburg,
Aufsatz Dr. Nikolaus Kyll, Festschrift 1967;
"Butzweiler und seine Geschichte", Klaus Pauli;
"Zweihundertfünfzig Jahre Loricher Kapelle 18./19. Juli 1987", Pfarramt St. Remigius Butzweiler, E.C. Gotthard;
"Geschichte des Trierischen Landes und Volkes", J. Leonardy; Homepage: www.newel.de